Das Liebesabenteuer – Erster Teil

Schwarzer KaterUm Himmelswillen, jetzt ging das wieder los. Der dicke schwarze Kater nahm die Pfote von seinem rechten Auge und blinzelte in Richtung Wohnzimmertür. Da waren sie auch schon. Sein Herrchen und – herrje, schon wieder eine andere Dame. Gestern hatte noch Sybille diese Worte gehört, heute vorbei. Jetzt hieß es für ihn, vom Bett herunter und nach nebenan. Diese blödsinnigen Geräusche konnte er nicht ausstehen, da schlief er lieber auf dem Teppich vor dem Kamin.
Lange dauerte es nicht, da kam Jan auf bloßen Füßen aus dem Schlafzimmer und ging in die Küche. Jetzt holt er den Champagner, dachte der Kater, und richtig, er kam pfeifend aus der Küche mit einer Flasche und zwei Gläsern und verschwand wieder im Schlafzimmer.

Nachdem sie lange gejuchzt und gelacht hatten, kamen sie beide ins Wohnzimmer und vertrieben den dicken schwarzen Kater vom Platz am Kamin. Er in Hemd und Hose, sie nur mit einem Herrenhemd bekleidet. Wie ich diese Abende hasse, dachte der Kater und ging wieder hinüber ins Schlafzimmer. Zurückkommen würden sie nicht, Jan war schließlich schon fünf
undvierzig.

Aber er war Kavalier. Bella, die Neue, zog sich an und beide verschwanden. Er brachte sie nach Hause.
Singend kam Jan zurück, zufrieden. Er kramte noch ein bisschen in seinen Skizzen, dann kam auch er ins Schlafzimmer und bald schliefen beide, sozusagen Arm in Arm, denn der Kater hatte seinen Platz im Bett wieder eingenommen. Schnarchen taten sie beide.

Draußen regnete es und so schlichen beide erst spät in die Küche. Der Kater bekam sein Näpfchen gefüllt und Jan machte sich eine Kanne Kaffee. Morgens war er längst nicht so gut in Form wie später am Tag. Heute war er besonders lustlos, schlurfte durch die Wohnung, nahm dies und das zur Hand, nur die Tür zu seinem Atelier mied er. Da warteten mehrere Bilder auf ihn, die zu einem bestimmten Termin fertig werden sollten. Warum hatte er sich nur darauf eingelassen, eine Ausstellung zu machen? Das hatte er den Kater schon mehrmals gefragt, aber der hatte keine Lust ihm zu antworten. Beide wussten doch, warum. Aus Eitelkeit.

Das Telefon klingelte.
„Ja natürlich, Herbie, ich bin fleißig dabei.“ Herbie der Galerist.
„Das glaubst du nicht? Dann komm doch vorbei und sieh es dir selbst an.“
„Ja, dann bis gleich“.“
Hektisch rannte Jan durch die Wohnung, um Ordnung herzustellen. Dann ins Atelier, die Palette vorbereitet. Als es dann klingelte, sah es tatsächlich so aus, als ob er schon seit Stunden arbeitete.
Herbie schien begeistert zu sein, der dicke schwarze Kater hörte seine Ausrufe.
„Ja, so habe ich mir das vorgestellt, großartig. Aber wirst du auch fertig?“
„Aber sicher, Herbie, ich habe noch nie jemanden hängen lassen. Und wenn ich Tag und Nacht arbeiten muss.“
„Da wird Sybille aber ärgerlich sein,“ meinte Herbie und grinste. Jan grinste zurück und sagte:
„Mit Sicherheit nicht.“
„Das ist beruhigend, dann hast du ja wirklich Zeit, um die Bilder fertig zu machen.“
Das Telefon klingelte und es begann ein Gespräch mit äußerst einsilbigen Antworten von Jan. Herbie wedelte mit der Hand, verschwand aus dem Atelier und machte es sich im Wohnzimmer bequem. Er war zufrieden und sprach äußerst liebenswürdig zu dem dicken schwarzen Kater, der sofort Anstalten machte, auf seinen Schoß zu springen. Aber soweit ging die Liebe nicht, schließlich hatte Herbie einen seiner besten Anzüge an.
„Ich will ja nicht indiskret sein, aber es sieht so aus, Sybille ist doch nicht damit einverstanden, dich mal eine Zeit lang nicht zu sehen.“
„Wie recht du hast,“ antwortete Jan. „aber jetzt trinken wir erst mal was. Was möchtest du?“
„Um die Zeit nur Kaffee oder Sekt.“
„Also Sekt.“
Wieder kam Jan pfeifend aus der Küche mit einer Flasche und zwei Gläsern. Champagner war den Damen vorbehalten, wusste der dicke schwarze Kater.
„Hast du auch alle Pressekontakte aufgegriffen, Herbie?“
„Na klar doch, ist doch auch fuer die Galerie wichtig.“
„Und die Einladungen sind vorbereit?“
„Ja, die Entwürfe bringe ich dir in den nächsten Tagen vorbei. Ich hoffe, dass du nicht mehr allzu viel ändern willst.“
„Nein, nein, jetzt nicht mehr.“
Herbie seufzte leise, Jan dagegen ungeniert laut. Der Kater dachte mit Schrecken an die Sit-zungen wegen der Einladungen. Jan konnten sie nicht groß und prächtig genug sein, Herbie dagegen, ein Jungfraugeborener, kämpfe um jeden Cent, den er einsparen konnte. Schließlich ging alles zu seinen Lasten. Das hatte er auch jetzt wieder gedacht, denn als Jan, der ab und zu Gedanken lesen konnte, sagte:
„Ja, ich weiß, dass das alles zu deinen Lasten geht,“ lachte er laut und knuffte Jan in die Seite.
„Na, dann prost nochmal.“
Beide schienen zufrieden zu sein. Das freute den dicken schwarzen Kater, denn er liebte sei-nen Jan, auch wenn er häufig Grund zur Eifersucht hatte. Aber er dachte auch ein bisschen eigensüchtig. Wenn Jan so gut gelaunt blieb, ging er sicher gleich ins Atelier, um zu arbeiten, wenn Herbie weg war. Das war wichtig, denn von irgendwas musste ja das Essen gekauft werden.

Richtig, Jan lehnte sogar die Einladung zum Essen ab.
„Du, ich bin mitten in der Arbeit, das trocknet mir sonst ab. Aber ich wünsch dir guten Appetit.“
Jan ging ins Atelier, der dicke schwarze Kater auch, obwohl er den Geruch der Farben nicht mochte. Aber er wollte bei seinem Jan sein.
Jan stellte das Radio an, griff zum Pinsel, griff zum Spachtel, die Farben flogen nur so auf die Leinwand.
Wenn die Leute wüssten, wie schnell das geht, ein Bild zu malen, dann würden sie sicher nicht soviel dafür bezahlen, dachte der Kater. Diese Weisheit hatte er von seinem Jan, der ihm alles anvertraute, was er so dachte über die Leute und über das Leben. Erst recht nicht, wenn sie wüssten, wie viel Spaß es machte, so mit den Farben zu kleistern. Für seinen Spaß würden sie gar nichts bezahlen.
In Wirklichkeit zahlten sie ja auch gar nicht für das Bild, für das sie siech entschieden. Sie zahlte dafür, dass sie in Zukunft damit angeben konnten, einen „Jan Soundso“ an der Wand zu haben, für den sie soundsoviel gezahlt hatten, wie sie jedem Besucher hinter vorgehaltener Hand erzählen konnten. Verstehen könnte ihn sowieso niemand, hatte er dem Kater anvertraut.
Aber anscheinend gab er die Hoffnung nicht auf, sonst würde er doch nicht immer wieder neue Menschen, vorwiegend natürlich Frauen, hierher schleppen.
Jetzt wurde aber erst einmal wie wild gearbeitet. Zwei Bilder in zwei Tagen, das war Rekord. Morgen, mit etwas Abstand, dann der letzte Schliff.
Jetzt hatte der dicke schwarze Kater Hunger. Ob es bald etwas gab? Auch der Jan müsste doch auch einmal etwas essen. Nur Kaffee am Morgen und Sekt am Nachmittag, das konnte ja wohl nicht ausreichen. Der dicke schwarze Kater erhob sich, streckte sich und strich Jan um die Beine. Der merkte das gar nicht, so vertief war er. Da half nur ein ganz gemeines Quäken. Nein auch nicht. Weiter zu betteln, das war unter seiner Würde. Er machte die Tür zum Wohnzimmer auf und ging weiter in die Küche, vielleicht lagen irgendwo noch ein paar Kräcker. Nein. Schwer verärgert ging der Kater ins Schlafzimmer, öffnete die Tür des Kleiderschrankes und legte sich auf ein frisch gebügeltes weißes Hemd.

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Sie ist erschienen am Donnerstag, Januar 18th, 2007 um 10:59 und findet sich in der Kategorie: Katzengeschichten, Meine Katze.
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6 Responses to “Das Liebesabenteuer – Erster Teil”
  1. Gothic Says:

    Eine schöne Geschichte. Und mit einem überraschenden Ende, nicht so verklärt, wie es manchmal Katzengeschichten sind.
    Schreibst Du öfter?

  2. ClaudiaW Says:

    Wunderbare Geschichte. Mein Kater hat sich mal in echt in andere Katze völlig verliebt und ist dabei fast kirre geworden. War sehr witzig, dass mit anzusehen.

  3. AnneP Says:

    Hallo Gothic, meine Katzengeschichten habe ich schon vor Jahren geschrieben, inzwischen schreibe ich mehr journalistisch, was aber übt, so dass ich sicher in nächster Zeit auch wieder mal eine Katzengeschichte schreiben werde, Ideen habe ich schon.

  4. AnneP Says:

    Hallo ClaudiW, unsere Kater können sich leider nicht verlieben, wir wohnen mitten in der Stadt auf der Etage. Aber ich hatte ein Erlebnis (mit dem dicken schwarzen Kater) im Ferienhaus in der Eifel. Da kam eine reizende kleine Weiße vorbei (ihr Revier, denn wir waren selten da) und versuchte mit dem Dicken anzubändeln, was machte der: Fauchen…

  5. Martin Says:

    Schöne Geschichte. Der Kater auf dem Foto könnte für die Geschichte aber noch dicker sein. Dann paßt es noch besser.

  6. AnneP Says:

    Lieber Martin, da hast Du Recht, er war wirklich dicker.

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