Die Weihnachtskatze

findus1.jpgSchon länger hatten wir den Wunsch nach einer Katze. Die Kinder drängten schon seit letztem Sommer, doch nun endlich mal ins Tierheim zu gehen und ein Kätzchen zu holen. Aber irgendwie hatte ich das Gefühl, das sei nicht der richtige Weg. Mir spukte vielleicht dabei auch eine Geschichte von Edith Nebel („Katzen kauft man nicht“) im Kopf herum? Tief im Inneren hatte ich die Vision, uns würde eine Katze zulaufen. “Katzen kauft man nicht”, sagte ich meinen Kindern, die mich nur verständnislos ansahen. Ich schlug vor, bis zum Frühjahr zu warten, dann würden wir vielleicht in unserem Dorf im Wendland, in dem wir ein Wochenendhaus haben, ein junges Kätzchen bei einem Bauern bekommen können. Außerdem hatte ich große Bedenken, ob sich unsere Hündin Flocke, ein knapp 9 Jahre alter Kleiner Münsterländer-Jagdhund, der für sein Leben gern Katzen auf Bäume jagt, mit einer Katze im Haus verstehen würde. Ich sah in meinen Albträumen den Hund bellend vorm Fernseher oder einem Regal stehen, auf das sich die Katze fauchend geflüchtet hatte …

Am 1. Weihnachtstag fuhr ich mit meinem Mann und meiner jüngsten Tochter ins Wochenendhaus, um dort einige Ferientage zu verbringen. Das Haus liegt in einem sehr kleinen Dorf am Dorfrand, an den großen Garten unseres Hauses schließen sich kilometerweit Felder an. Am 2.Weihnachtstag war es sonnig, aber mit Temperaturen unter Null Grad bitter kalt. Ich ließ morgens den Hund in den Garten. Nach kurzer Zeit bellte er aufgeregt weit hinten im Garten. Ich schaute nicht weiter nach, rief ihn nur herein. Sicher hatte er wieder hinten auf der Wiese eine der Katzen, die regelmäßig unseren Garten besuchen, auf einen Baum gejagt. Gut eine Stunden später ließ ich ihn wieder hinaus.

Zielsicher rannte er wieder in die hintere Ecke des Grundstück und bellte dort aufs Neue und konnte sich gar nicht beruhigen. Saß die Katze dort immer noch auf dem Baum? Ich zog mir die Schuhe an, um nachzusehen. Aufgeregt bellend und winselnd lief Flocke am Zaun hin und her. Irgendetwas musste dort auf dem angrenzenden Acker sein, die Baumreihe vorm Zaun versperrte mir jedoch die Sicht. Also suchte ich eine Stelle, an der ich über den Zaun klettern und aufs Feld gehen konnte. Und dann sah ich es: ein kleines Kätzchen, ca. 8-9 Wochen alt, lag dort jämmerlich maunzend direkt hinter unserem Zaun auf dem Randstreifen, der noch zu unserem Grundstück gehörte. Vorsichtig nahm ich es hoch. Es verstummte, schaute mich mit großen Augen an und schmiegte sich gleich an mich. Es war stark ausgekühlt, ein abgemagertes und unterernährtes kleines Tierchen, zu schwach, um auf seinen Beinchen zu stehen. Es hatte sicher schon lange dort gelegen. Also brachte ich es erst mal in die Wärme ins Haus.

findus1.jpgMeine Tochter erschrak zuerst, als ich ihr, für sie unerwartet, das Kätzchen auf den Schoß legte, war aber dann gleich Feuer und Flamme. Vorsichtig legten wir das Kätzchen in einen Korb auf ein Tuch, unter das wir eine Wärmflasche gelegt hatten. Lauwarmes Wasser, das wir ihm vorsichtig einzuflößen versuchten, schluckte es nur mit Mühe, an Fressen war garnicht zu denken. Es konnte kaum den Kopf heben, schlief nur immer wieder erschöpft ein. Den Tag über schien es immer schwächer zu werden. Wir rechneten mit dem Schlimmsten. Meine Tochter war den Tränen nahe, trug das Kätzchen den ganzen Tag im Korb mit sich herum. Sie streichelte es und redete immer wieder mit ihm.

Und dann, es war fast schon Mitternacht, geschah das kleine Wunder: das Kätzchen wachte auf und streckte sich. Zu unserem Erstaunen setzte es sich hin und schaute uns mit großen Augen an. Schnell mischte ich in der Küche etwas Hundefutter aus der Dose mit einer Kartoffel und stellte ihm ein Tellerchen davon hin. Und siehe da, es schlang gierig die angebotenen Nahrung herunter. Und von da an ging es bergauf! Das Kätzchen wurde jeden Tag lebendiger. Es fraß mit großem Appetit und erkundete zunehmend unser Wohnzimmer. Am dritten Tag lag es nicht morgens nicht wie gewohnt in seinem Körbchen. Als ich es nach längerem Suchen schließlich fand, musste ich lachen. Es lag zusammengerollt in unserem Brotkorb auf dem Küchentisch.

Der Tierarzt, den wir einige Tage später aufsuchten, bestätigte uns, dass dieses unterernährte und verwurmte Kätzchen, auf dem wir die Flöhe springen sahen und das in schlechtem Gesundheitszustand war, wahrscheinlich nicht in Menschenobhut, sondern irgendwo von einer verwilderten Katze in der Natur geboren wurde. Wir nannten den kleinen Kater “Findus”, ein Name, der uns gleich in den Sinn kam, da wir ihn ja gefunden hatten. Oder hat er uns gefunden? Außerdem liebte meine Tochter, als sie klein war, die Bilderbücher von “Pettersson und Findus”, die Geschichten von einem alten Mann und seinem pfiffigen Kater erzählen. Und unser Findus hat eine gewisse Ähnlichkeit mit dem Kater im Bilderbuch, er ist eben so, wie wir uns nach dem Bilderbuch eine Katze vorstellten, pfiffig und immer zu neuem Unsinn bereit.

Nun lebt Findus bei uns und ist unser aller Liebling. Er wird immer lebendiger und tobt durch das Haus. Er ist ein kleiner Tunichtgut und heckt immer neue Streiche aus. Nichts ist vor ihm sicher und alles eignet sich zum Spielen. Besonders die Plüscheulen aus meiner Eulensammlung haben es ihm angetan. Immer wieder holt er sich eine von ihnen zum Spielen aus dem Regal und kugelt damit über den Teppich. Und auch sonst scheint er meine Liebe zu den Eulen zu teilen und schläft am liebsten auf „Uggla“, dem weichen Eulenkissen.

findus1.jpgMeine Sorge, wie sich Hund und Katze verstehen würde, erwies sich übrigens als unbegründet. Unsere Hündin Flocke versteht sich hervorragend mit dem kleinen Kater. Morgens begrüßt sie ihn freudig. Manchmal leckt sie ihn ab und Findus schnurrt. Findus ist für sie keine Katze. Wenn ich frage. “Wo ist die Katze?”, läuft der Hund zur Terassentür und sucht draußen nach den aufregenden Tieren, die man so schön auf Bäume jagen kann. Findus ist Findus und keine Katze! Mit Findus möchte sie spielen und bringt ihm sogar ihren heißgeliebten Ball und lässt ihn vor ihm fallen. Da der Ball aber zu groß ist für das Kätzchen, weiß Findus nicht so recht, was er damit anfangen soll, auch, wenn er ihn ab und zu über den Boden rollt. Dafür liegt Findus dann gerne versteckt auf einem Sessel und warte angespannt, ob Flocke wohl vorbei kommt, springt dann hoch und angelt mit den Pfoten nach ihr, was Flocke aber wenig stört. Und auch das Wasser aus Flockes Napf schmeckt ja viel besser als sein eigenes. Mit der Verständigung klappt es noch nicht immer so recht, aber ich denke, das wird schon noch werden.

Und auch ich genieße die Anwesenheit dieses Kätzchens, das ich mir schon lange gewünscht habe. Ich finde zu mehr Ruhe, denn wie kann ich aufstehen, wenn Findus, der sich immer mehr zum Kuschelkater entwickelt, es sich schnurrend auf meinem Schoß gemütlich gemacht hat?

Katzen kauft man nicht, Katzen finden ihre Menschen …

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Sie ist erschienen am Sonntag, Januar 21st, 2007 um 11:05 und findet sich in der Kategorie: Katzengeschichten, Meine Katze.
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