Tommys Streiche

Cover VerlagAls ich in die Stadt fahren mußte, sperrte ich die Katzen hinaus. Schnurri und Tiger könnte ich längere Zeit allein in der Wohnung lassen, sie machen nichts kaputt oder schmutzig. Ich hatte die Katzenklappe an der Tür des Kaninchenstalls hochgeklappt, damit auch der Kleine hineinschlüpfen könnte.
Als ich endlich nach Stunden zurückkam, dachte ich, daß sich Tommy ausgetobt hatte. Aber weit gefehlt. Kaum im Warmen, legte er erst richtig los; alleine und mit Tiger.
Unter der Liege guckte ein Stückchen von Tigers Schwanz hervor, peitschte wie wild direkt vor Schnurris Nase. Sie fauchte das wedelnde Ding an, für Tommy ein herrliches Spielzeug.

Schließlich wurde es mir zuviel, ich sperrte den Lausejungen in den Flur. Er sauste die Treppe hinunter und sprang aufs Fensterbrett. Oh weh! Ich hielt die Luft an, denn dort standen meine Figuren, die ich aus Stein gebastelt und bemalt hatte. Er würde doch nicht … Nein, er sprang herunter und sauste davon.
Ich atmete auf und schloß die Tür. Kaum war ich ins Wohnzimmer zurückgekehrt, knallte und klirrte es laut. Nun war es passiert. Was würde unten liegen?
Die Figuren? Nein, die Blume. Gerade vorhin hatte ich gegossen. Matsch und Scherben. Der schöne gelbe Blumentopf und der gelbe Teller waren hin. Mein
gelbes Katerchen hockte verschreckt in einer Ecke.
Ich verzieh ihm, damit muß man rechnen, wenn man kleine Kätzchen hat. Erst vorige Woche hatte er mir im Wohnzimmer einen blaugeblümten Übertopf heruntergeworfen. Manchmal frage ich mich, ob Katzen beheizte Fußballen haben. Bei der Kälte über den zugefrorenen Teich zu rennen und durch den Schnee zu laufen, ist ohne Schuhe kein Vergnügen. Tommy hielt es trotz seines dünnen Fellchens lange draußen aus, besonders, wenn wir Zweibeiner im Garten waren oder seine liebe Katzenmutti bei ihm war. Wenn er einen Hund erblickte, richteten sich bei unserem Katerchen die Rückenhaare auf, als wären sie mit der Bürste nach oben gekämmt worden.
Der Schwanz wurde ein dicker Wuschel wie eine Flaschenbürste. So kam er mir hinterhergeprescht; die Treppe hinauf ins Warme, ins Wohnzimmer. Wollte er jetzt Ruhe geben und sich ausruhen?
Aber nein: „Mutti, hier bin ich, komm spielen! Mach mit oder ich greife dich an. Dein Schwanz bewegt sich, gleich habe ich ihn.“
War das ein frecher Junge, er fiel sein Mutter von hinten an, umklammerte mit beiden Pfoten ihren Hals und biß sie in die Ohren. Aber nun putzte er ihren Kopf, leckte und säuberte gründlich jedes Ohr. Dabei hielt er der Tigerin das linke Auge zu; das sah ganz possierlich aus.
Heute gebot Tiger dem Kleinen Einhalt. Als der wieder tobte, stellte sich seine Mutter über ihn, nam ihn zwischen die Beine und knuffte ihn kräftig mit der Pfote hinter die Ohren.
Vor Schreck machte Tommy einen Purzelbaum rückwärts und blieb abwehrend auf dem Rücken liegen, alle vier Pfoten in die Luft gestreckt.
Er bekam die Stärke seiner Mutter zu spüren und ging seiner Wege, um mit einer Blume zu spielen. Ob das lange anhält? Wachsam schaute Tiger und putzte sich. Aber Tommy gab. Ruhe. Mit dieser Lektion legte sie eindeutig die Rangordnung fest.

Ihr lest Auszüge aus:

Christa Blachnik
Katzengeschichten
Von Schmusekatzen und Tigerlingen
Paperback, 148 x 207 mm, 80 Seiten, illustriert,
ISBN 13: 978-3-934141-31-5,
ISBN: 3-934141-31-5,
Ladenpreis: 8,90 EUR
Verlag Neue Literatur
Jena · Plauen · Quedlinburg · 2001

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Sie ist erschienen am Montag, Oktober 9th, 2006 um 09:14 und findet sich in der Kategorie: Katzenbuecher.
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One Response to “Tommys Streiche”
  1. Feind der Katzen Says:

    Ich finde, hier kommt wieder mal klar zum Ausdruck, wieweit Katzen menschlich gesehen werden. Katzen sind zu kurz geratene Raubtiere. Ihre größeren Verwandeten jagen nette andere Tiere. Unsere Hauskatzen jagen kleine nette Tiere. Diese Verniedlichungen und Vergeistigungen von Katzen finde ich nervend.

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